Geschichte

Pionierarbeit in der Luftfahrt


Als vor 50 Jahren die Flugsportvereinigung Mellrichstadt gegründet wurde, war dies aber nicht der Anfang der Fliegerei in Mellrichstadt. Bereits vor 65 Jahren, im Jahre 1935, scharte der damalige Regierungsrat Dr. Schwalb Flugbegeisterte um sich, um einen Schulgleiter zu bauen.

Dieses einfache, selbst gebastelte Holzgerät wurde Schwalbe genannt und stolz auf dem Mellrichstädter Marktplatz der Öffentlichkeit präsentiert. Für einen Groschen durfte man darin Platz nehmen, Seppl Knauer stand mit der Sammelbüchse parat.
Vielen älteren Mellrichstädtern sind die Namen der ersten Flugpioniere noch bekannt: Bruno Schlau, Theo Halbig, Heini Thomas, Eugen Krug, Otto Stürmer, Ludwig Trott und Richard Reusch.
feierliche Einweihung des Schulgleiters

Die feierliche Einweihung des Schulgleiters war das Ereignis des Jahres und wurde auf einer Postkarte verewigt. Man stand damals stramm!

Ein paar Tage später gab es kein Halten mehr. Die ganze Mannschaft zog mit ihrem Heiligtum gen Ostheim zum Lindenberg, um ein paar Hüpfer oder Sprünge zu machen.

Dr. Schwalb setzte sich als erster ins Flugzeug und seine Mitstreiter zogen voller Begeisterung das Gummiseil aus, das den Flieger in die Luft katapultieren sollte. Die Begeisterung war aber vielleicht doch etwas zu groß. Der Vogel schoss steil in den Himmel, verharrte dort eine halbe Sekunde und kehrte ebenso schnell und steil zum Boden zurück.
Nicht nur wegen der öfteren Reparaturen war das Fliegen mit dem SG38 eine anstrengende Angelegenheit. Nach jedem Flug, den man in Sekunden maß, musste der Flieger wieder auf den Hügel gebracht werden.
Der Krieg unterbrach die fliegerischen Aktivitäten. Erst 1951 kamen die Flugbegeisterten wieder zusammen und gründeten am 19. September die Segelflugvereinigung Mellrichstadt. Gleichzeitig trat der Verein dem Bayrischen Luftsportverband im Deutschen Aeroclub bei.

Fliegen auf der Wasserkuppe

Die Gründungsmitglieder waren: Richard Amthor, Rudolf Anschütz, Peter Bauer, Manfred Fiedler, Herbert Halbig, Oskar Heuring, Erich Hiltrop, Friedrich Hofmann, Rudolf Kirsch, Hans-Günther Korth, Nikolaus Opitz, Heinrich Rempe, Rudi Repp, Willi Schleicher, Otto Stürmer, Ludwig Trott und Ernst Zottmann. Erster Vorsitzender wurde Manfred Fiedler.

Am 13. Juli 1952 konnte man das erste Fluggerät vorzeigen. Feierlich wurde der SG38 zusammen mit dem neu erbauten Jugendheim Mellrichstadt durch den ersten Bürgermeister Alfons Halbig getauft. Da die Mellrichstädter Flieger noch keinen Flugplatz besaßen, flog man auf der Wasserkuppe: Einer flog 15 Sekunden lang, acht Kameraden brauchten eine halbe Stunde, um den Flieger zurückzuholen.

1957 zogen die Flieger auf den Bischofsberg um und Rudi Repp holte das erste Silber-C für den Verein durch einen Streckenflug nach Würzburg. Gleich drei Fluglehrer gab es damals: Rudi Repp, Peter Bauer und Karl Strauch. Direktor Zickel taufte den ersten Leistungsdoppelsitzer auf den Namen "Grenzlandindustrie Mellrichstadt".

1958 wurde die ehemalige Flüchtlingsbaracke in Mellrichstadt abgerissen und als Flugzeughalle auf dem Bischofsberg aufgebaut. Es erfolgten die ersten Streckenflüge über 300 Kilometer für das Gold-C. Die Mellrichstätdter nahmen erfolgreich an vielen Flugwettbewerben teil.

Taufe des Leistungsdoppelsitzers

1961 wurde Herbert Halbig unterfränkischer Segelflugmeister.

1963 wurde Rudi Repp als verdieneter Pilot vom Fliegerclub Bad Kissingen mit der Udet-Plakette ausgezeichnet.

1964 bekam er seinen dritten Diamanten zum Gold-C für einen Streckenflug über 506 Kilometer nach Wien. Damals sprachen die Wiener Zeitungen von einer Sensation.

Im Jahre 1963 wurde eine Ka 7 angeschafft. Bürgermeister Alfons Halbig taufte sie auf den Namen Mellrichstadt und Pfarrer Zürrlein, der selbst Pilot war, gab den Segen.

Die neue Halle wurde im Mai 1965 eingeweiht: In Nordbayern wurde fliegerische Pionierarbeit geleistet, nannte eine große einheimische Zeitung das Werk.
Die Halle wurde erweitert, der Tower 1979 eingeweiht und der Platz endgültig auch für Motorsegler zugelassen.

Verleihung der bayerischen Verdienstmedaille an Herbert Halbig

Ende Juni 1997 schlug ein schweres Gewitter unerbittlich zu. Das Dach der Halle wurde durch den Sturm vernichtet. Die Dachplatten waren sogar durch den Turm hindurch geflogen. Trotzdem, der Flugbetrieb ging weiter.

Ein freudiges Ereignis war in dieser Zeit die Verleihung der bayerischen Verdienstmedaille an Herbert Halbig für seinen langjährigen Engagement für den Verein.

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